Bundesgerichtshof verhandelt über Rückerstattungen bei unerlaubtem Online-Glücksspiel
Rafael Beck · Sep 18, 2026

Bundesgerichtshof verhandelt über Rückerstattungen bei unerlaubtem Online-Glücksspiel

Am 17. September 2026 führte der Bundesgerichtshof zwei zentrale Verhandlungen zu Erstattungsansprüchen durch, die aus Verlusten bei nicht autorisiertem Online-Glücksspiel resultierten, und die Fälle I ZR 216/25 sowie I ZR 78/25 standen dabei im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Juristen und Branchenbeobachtern. Der erste Fall betraf Tipico Games und richtete sich auf eine Rückzahlung von rund 10.000 Euro für Verluste, die zwischen 2020 und 2022 entstanden waren, während der zweite Fall mit PokerStars beziehungsweise TSG die Frage aufwarf, ob Aufenthalte des Spielers im Ausland für die rechtliche Bewertung relevant sein könnten. Experten haben beobachtet, dass der erste Prozess als Leitentscheidungsverfahren eingestuft wurde, was bedeutet, dass die dort getroffenen Feststellungen künftige ähnliche Klagen maßgeblich beeinflussen können.
Hintergründe der beiden Verfahren vor dem BGH
Im Verfahren I ZR 216/25 ging es um die Frage, ob ein Anbieter wie Tipico Games zur Rückerstattung von Spielverlusten verpflichtet ist, wenn die Plattform ohne die erforderliche deutsche Lizenz betrieben wurde, und Beobachter notierten, dass der Zeitraum von 2020 bis 2022 in eine Phase fiel, in der die Regulierung von Online-Glücksspiel in Deutschland noch im Umbruch begriffen war. Das Gericht prüfte, welche Anspruchsgrundlagen für die Kläger gelten könnten, und die Verhandlung zeigte, dass die genaue Auslegung des Glücksspielstaatsvertrags sowie europarechtlicher Vorgaben eine entscheidende Rolle spielte. Im parallel verhandelten Fall I ZR 78/25 stand PokerStars beziehungsweise TSG im Fokus, wobei die Parteien diskutierten, ob temporäre Aufenthalte des Spielers außerhalb Deutschlands die Anwendbarkeit nationaler Vorschriften beeinflussen.
Rechtsexperten haben festgestellt, dass solche grenzüberschreitenden Aspekte immer häufiger in Verfahren auftauchen, seitdem digitale Plattformen den Zugang zu Spielen unabhängig vom physischen Standort ermöglichen. Die Verhandlungen am 17. September 2026 dienten daher nicht nur der Klärung individueller Ansprüche, sondern auch der Schaffung von Orientierung für zahlreiche ähnliche Fälle, die derzeit bei unteren Instanzen anhängig sind.
Rechtliche Rahmenbedingungen und ihre Auswirkungen
Der Glücksspielstaatsvertrag von 2021 schuf die Grundlage für eine regulierte Erlaubnispflicht bei Online-Angeboten, doch Verfahren wie diese werfen Licht darauf, wie Altverluste aus der Übergangsphase rechtlich behandelt werden, und das Bundesministerium der Justiz hat in früheren Stellungnahmen darauf hingewiesen, dass die Durchsetzung von Verbraucherrechten in diesem Bereich besondere Herausforderungen birgt. Beobachter haben darauf hingewiesen, dass die Einstufung des Tipico-Falls als Leitentscheidung bedeutet, dass der BGH hier Grundsatzfragen zur Haftung und zum Schutz von Spielern klären wird, die über den Einzelfall hinausreichen. Im PokerStars-Verfahren spielte zusätzlich die Frage eine Rolle, wie internationale Aspekte mit dem deutschen Verbraucherschutz in Einklang gebracht werden können, und Gerichtsunterlagen zeigten, dass der Spieler in den relevanten Zeiträumen teilweise im Ausland war.

Studien aus dem Bereich der Europäischen Union haben gezeigt, dass grenzüberschreitende Glücksspielaktivitäten seit Jahren zunehmen, und eine entsprechende Analyse der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2024 unterstreicht die Notwendigkeit einheitlicher Regelungen innerhalb des Binnenmarkts. Solche Erkenntnisse fließen indirekt in die Bewertung der deutschen Gerichte ein, weil sie den Kontext für die Auslegung nationaler Vorschriften liefern.
Bedeutung für zukünftige Klagen und die Branche
Die Entscheidungen des BGH werden voraussichtlich Signalwirkung für weitere Rückforderungsprozesse haben, und Anwälte, die solche Fälle betreuen, berichten, dass die Leitentscheidung im Tipico-Verfahren als Maßstab für die Beurteilung von Verträgen ohne Erlaubnis dienen könnte. Im Fall von PokerStars beziehungsweise TSG wird besonders die Behandlung von Aufenthaltsdetails Aufmerksamkeit erregen, da dies für viele Spieler relevant sein könnte, die sich während der Pandemie oder aus anderen Gründen temporär im Ausland aufhielten. Branchenverbände wie die European Gaming Association haben in ihren Berichten darauf aufmerksam gemacht, dass klare gerichtliche Vorgaben die Planungssicherheit für Anbieter erhöhen und gleichzeitig den Schutz von Verbrauchern stärken können.
Die Verhandlungen am 17. September 2026 fanden somit in einem Umfeld statt, in dem die Digitalisierung des Glücksspiels weiter voranschreitet und die rechtliche Einordnung von Plattformen ohne deutsche Lizenz noch nicht abschließend geklärt ist. Beobachter haben festgehalten, dass die Kombination aus nationalem Recht und europäischen Vorgaben zu komplexen Abwägungen führt, die der Bundesgerichtshof nun schrittweise konkretisiert.
Fazit
Die beiden Verfahren vor dem Bundesgerichtshof am 17. September 2026 beleuchten zentrale Fragen der Haftung bei unerlaubtem Online-Glücksspiel und die Relevanz grenzüberschreitender Elemente, während die Einstufung eines Falls als Leitentscheidung die Tragweite der Ergebnisse unterstreicht. Weitere Entwicklungen in diesen und vergleichbaren Prozessen werden zeigen, wie sich die Rechtsprechung in diesem Bereich konsolidiert und welche Auswirkungen sie auf Anbieter sowie auf Spieler hat, die Verluste aus der Zeit vor der vollständigen Umsetzung des aktuellen Regulierungsrahmens geltend machen wollen. Weitere Details zu den Verfahren finden sich in Fachberichten und Gerichtsmitteilungen, während eine Analyse der Europäischen Kommission ergänzende Einblicke in den europäischen Kontext bietet.